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Das Problem mit Facebook [Astrodicticum Simplex]

Seit 2010 hat mein Blog auch eine eigene Facebook-Seite. Ich nutze das Potential dieser Seite sicherlich nicht so stark aus, wie es möglich wäre. Ich habe sie damals hauptsächlich deswegen eingerichtet, um erst mal nur zu schauen, was man mit Facebook überhaupt anstellen kann. Ich habe die Seite für die Leute eingerichtet, die Facebook als “Nachrichten”quelle nutzen und mit RSS-Feeds u.ä. nicht klar kommen. Bei Facebook ist ja mittlerweile schon fast jeder und vor allem auch Leute, die sonst eher wenig im Internet zu tun haben. Die Astrodicticum-Simplex-Facebookseite ist verlinkt daher alle Blog-Artikel um sie auch von Facebook aus sichtbar zu machen. Und ab und zu gibt es auch “exklusiven” Content, den ich direkt und ausschließlich auf der Facebookseite veröffentliche. Bis jetzt hat das eigentlich ganz gut funktioniert. Meine Seite hat derzeit knapp 3600 Likes, was nicht dramatisch viel ist aber angesichts des Themas auch nicht unbedingt wenig.

Mit Facebook ist man zumindest prinzipiell in der Lage, Informationen (und natürlich auch jeden beliebigen Unsinn) sehr schnell sehr weit zu verbreiten. Und ich habe den Einfluss durchaus in den Zugriffszahlen im Blog gemerkt. Aber Facebook hat sich verändert. Facebook gehört mittlerweile zu den einflussreichsten Seiten des Internets und zu den Communities mit den höchsten Mitgliederzahlen. Mit Facebook kann man jede Menge Dinge machen. Und Facebook ist kostenlos. Und wir all die Leistungen von Facebook kostenlos bekommen, dann folgt daraus natürlich, dass wir nicht die Kunden von Facebook sein können. Wir sind das Produkt mit dem Facebook sein Geld verdient.

Das ist keine sonderlich neue Erkenntnis – aber es wird langsam zum Problem. Vor ein paar Wochen hat Facebook wieder mal an seinem Filter-Algorithmus herum geschraubt. Denn man bekommt ja schon lange nicht mehr alle Nachrichten all seiner Freunde und all der Seiten denen man folgt zu sehen. Man bekommt das zu sehen, was Facebook für ausreichend relevant hält. Und es gibt zwei Möglichkeiten, wie man Relevanz erzeugen kann. Wenn ich eine Nachricht bei Facebook veröffentliche, dann kann ich entweder hoffen, dass möglichst viele Leute sie kommentieren, auf “Gefällt mir” klicken und sie weiterleiten. Dann wird der Algorithmus sie als relevant einstufen und sie mehr Leuten anzeigen. Oder aber man bezahlt. Man kann sich bei Facebook für seine Nachrichten die Aufmerksamkeit auch einfach kaufen. Je mehr man zahlt, desto mehr Leute werden die Nachricht sehen.

Auch das ist nicht neu und war schon früher so. Das hat ja auch zu den immer absurder werdenden Postings verschiedenster Firmen geführt, die einzig und allein darauf ausgelegt waren, Kommentare zu generieren. Da fragt dann zum Beispiel eine Fastfood-Kette “Hey! Zuerst den Burger essen oder zuerst die Pommes? Klickt auf “Gefällt mir”, wenn ihr die Pommes zuerst esst und teilt den Beitrag, wenn ihr den Burger zuerst esst”. Oder es gibt absurde Gewinnspiele der Form “Wer bei diesem Beitrag den letzten Kommentar schreibt, gewinnt ein iPhone!”. All das dient nur dazu, möglichst viel Aktivität zu generieren damit man im Aufmerksamkeitsalgorithmus von Facebook nach oben rutscht. (Ich hab vor kurzem einen schönen Artikel zu diesem Thema gelesen; mit noch mehr absurden Beispielen – aber mir fällt beim besten Willen nicht mehr ein, wo das war…)

Facebook richtet sich auch immer stärker nach Bildern aus. Wenn ich eine neue Nachricht schreibe, dann brauche ich das ohne zugehöriges Bild gar nicht mehr versuchen. Reiner Text wird gerade noch einer Handvoll Leute angezeigt. Früher war das noch anders; mittlerweile ist dieses Phänomen mehr als deutlich. In dieser Statistik meiner letzten Facebook-Beiträge ist der Unterschied zwischen Text und Text mit Bildern mehr als deutlich zu sehen!

facebook

Früher waren die Reichweite bei meinen Facebook-Beiträgen im Allgemeinen immer vierstellig. Es wurden zwar selten die vollen ~3500 Leute erreicht, die meiner Seite folgen aber um die 1500 waren es meistens und auch die reinen Textbeiträge haben noch ein paar hundert Leute erreicht. Jetzt sind es ~10 Leute bei Textbeiträgen und um die ~500 Leute bei Text mit Bildern (die beiden im Bild angezeigten Beiträge sind erfreuliche Ausnahmen – so hohe Zahlen hab ich mittlerweile höchstens ein bis zwei Mal pro Monat). Denn vor einiger Zeit hat Facebook nochmal kräftig am Algorithmus gedreht. Bezahlte Beiträge werden nun noch stärker bevorzugt als früher. Die “organische Reichweite” (also das, was man ohne Bezahlung erreichen kann) wird immer weiter sinken und wenn man Leute erreichen will, dann muss man dafür bezahlen.

Ich komme ja eigentlich nur deswegen auf dieses Thema, weil ich gerade ein Video von Veritasium gesehen habe, der genau die gleichen Erfahrungen gemacht hat wie ich und das Problem darin sehr gut beschreibt:

Ich bin nicht bereit, dafür zu bezahlen, dass meine Beiträge angezeigt werden. Mir ist zwar klar, dass man im Internet nichts umsonst bekommt und das man entweder mit Geld bezahlt – oder eben wie bei Facebook mit seinen Daten oder seinen Klicks. Aber wenn Facebook wirklich zu einer reinen Werbeplattform verkommt, in der nur noch das sichtbar ist, was Firmen mit ihrem Geld sichtbar gemacht haben, dann wird sich das Problem vermutlich sowieso bald lösen und Facebook langsam aber sicher verschwinden. Oder auch nicht; vielleicht stört es die Leute ja auch nicht so sehr wie ich annehmen…

Vorerst werde ich meine Facebook-Seite weiter führen und auf die Zugriffszahlen achten. Wenn die organische Reichweite weiterhin so stark reduziert wird, dann werde ich das aber wohl irgendwann bleiben lassen…

Reposted by02mydafsoup-01phytx

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Schweinderl