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02mysoup-aa

Klöckner bezeichnet Naidoo als einen Künstler. Das ist sein gutes Recht, obwohl man angesichts der textlichen Qualität des Liedes, um das es hier geht an dieser Aussage zweifeln kann. Ganz sicher irrt sich Klöckner meiner Auffassung nach aber mit der Behauptung, Naidoo sei ein "Systemkritiker".

Wenn das kapitalistische System, also das Verhältnis zwischen den Besitzern von Kapital und Produktionsmitteln auf der einen und den Lohnabhängigen auf der anderen Seite je das Thema von Xavier Naidoos Schaffen war, dann hat er es bisher gut verborgen.

Auch zur Marktwirtschaft als dem Frontend des Kapitalismus, zu der Tatsache, dass dieses Wirtschaftssystem gerne Rassismus und Sexismus umarmt (und bei Bedarf das Gegenteil davon simuliert), zu der Erkenntnis, dass es fortwährend gesellschaftliche Widersprüche erschafft, die es selbst nicht lösen kann, oder gar zu Ideen, wie der ganze Kladderadatsch aufzulösen sei, ist von Naidoo nichts zu hören.

Hat der größte Prophet Mannheims in seinen Prophezeiungen je irgendetwas Substanzielles zu den raffinierten Mechanismen der kapitalistischen Kulturindustrie gesagt? Wo er doch selber so deutlich dazugehört? Nicht in einem seiner Produkte, das ich kenne; ganz gewiss nicht in "Marionetten".

Das "System", das er in diesem Lied "kritisiert", stammt aus einem Baukasten, der folgende Spielsteine enthält: infantile Bösewichter auf dem Niveau von Michael Endes "Momo", rechtsradikale Falschmeldungen aus den USA und astreine Volksverhetzung. Zu diesem Gemisch gibt er als weitere Zutat den Weltschmerz und die Allmachtsphantasien eines religiösen Sechzehnjährigen hinzu, der gerade mit dem Schreiben begonnen hat.

Voilà: Es ergibt sich ein so vage waberndes Gebilde, dass Marcus Klöckner schon selbst in die Tasten greifen muss, um zu erklären, was Naidoo vielleicht *wirklich* gemeint haben könnte. Im Zentrum von Klöckners Apologetik steht die Überzeugung, dass Naidoo in "Marionetten" irgendwie den sexuellen Kindesmissbrauch thematisiert, was man tatsächlich aus ein paar Textbestandteilen herauslesen kann. Gestützt wird diese Auffassung von der Tatsache, dass sich Naidoo schon früher in maximal idiotischer Weise zu diesem Themenkomplex geäußert hat.

Naidoo und Gerüchte über das System | Telepolis
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Schweinderl