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February 23 2014

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February 22 2014

February 21 2014

February 16 2014

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February 09 2014

Blogspektrogramm 6/2014

Schon wieder Sonntag! Heute im exzellenten Blogspektrogramm: Was zu Wikipedia, was zu neuen Wörtern im Englischen (zweimal), amerikanische Rufnamen und ein Comic. Viel Spaß beim Lesen!

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January 26 2014

Blogspektrogramm 4/2014

Alle warten ungeduldig auf die Bekanntgabe des Anglizismus des Jahres 2013 – am Dienstag ist es so weit! Die Zeit bis dahin rumzubringen ist natürlich nervenaufreibend, deshalb gibt's zur Ablenkung unser Blogspektrogramm in Überlänge:

  • Über rassistische Produkte und Produktnamen berichtet die RP ONLINE angenehm unaufgeregt und mit Befragung von Experten.
  • »This is the weird thing the Internet has done to language: Standard Written English — or, at least, its most fundamentalist form, Clinical Standard Written English — has actually become incorrect in most online contexts« schreibt Jon Evans auf TECHCRUNCH und vertritt auf unterhaltsame Weise die These, dass das Internet die Sprache befreit hat.
  • Die Herkunft des mittlerweile schon fast wieder ausgestorbenen Wortes Mannequin klärt diese Woche Stephan Bopp auf FRAGEN SIE DR. BOPP. Spoiler: Es sind mehr als zwei Sprachen beteiligt.
  • Auch PETA hat ein Unwort des Jahres gewählt, die Pelzernte. Die genaue Begründung hat Michael Mann im LEXIKOGRAPHIEBLOG zitiert.
  • Auf WELT ONLINE stellt Matthias Heine ein Kapitel aus dem Ersten Bericht zur Lage der deutschen Sprache vor: Es geht um den gestiegenen Wortschatz des Deutschen. (Wir berichteten.)
  • Mit Daten des Deutschen Familiennamenatlasses erstellt gibt es auf ZEIT ONLINE eine Karte, die zeigt, wo in Deutschland Menschen mit Familiennamen wie Bremer, Bielefeld oder Frankfurter leben. Spoiler: Nicht in Bremen, Bielefeld oder Frankfurt. Dieses Phänomen habe ich übrigens auch schon einmal hier im Sprachlog erwähnt.
  • Und zum Schluss noch ein Cartoon von Scott Hilburn. (Englisch)
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January 21 2014

Anglizismus 2013: Publikumsabstimmung

Fast drei Monate lang hat die Jury Nominierungen gesichtet und die aussichtsreichsten Wortkandidaten ausführlich auf ihre Tauglichkeit geprüft, Anglizismus des Jahres 2013 zu werden. Aus fast hundert Bewerbungen wurden zunächst die sechzehn Wörter ausgewählt, die den Kriterien am besten entsprachen, die also a) ganz oder teilweise aus englischem Wortmaterial bestehen, b) im Jahr 2013 in den Sprachgebrauch einer breiteren Öffentlichkeit gelangt sind, und c) auf interessante Weise eine Lücke im deutschen Wortschatz füllen. Nach einer ausführlichen Diskussion dieser sechzehn Wörter schickt die Jury nun elf Kandidaten in die Endrunde. Während sie hinter verschlossenen Türen hitzig debattiert, um pünktlich am 28. Januar 2014 das Ergebnis verkünden zu können, läuft bis Donnerstag auch die Publikumsabstimmung, bei der Sie Ihren persönlichen Liebling wählen können.

Hier noch einmal die elf Wortkandidaten im Überblick, mit Links zu den entsprechenden Blogbeiträgen im Sprachlog und lexikografieblog und dem Fazit der Jurymitglieder, die sich das jeweilige Wort näher angesehen haben.

  1. Big Data: „Big Datajedenfalls ist 2013 in den Massenmedien und in der Diskussion angekommen. Grammatisch muss sich noch zeigen, ob eine weitere Integration dieses Ausdrucks ins Deutsche möglich und notwendig ist; inhaltlich besteht jedenfalls aktuelles Interesse an dem Thema. Somit ein recht guter Kandidat für denAnglizismus des Jahres 2013!“ (M. Mann)
  2. Cyber–: „Neben dem klaren Häufigkeitsanstieg von Wörtern mit Cyber– sind die zunehmende Integration sowie die Bedeutungsverschiebung ein klarer Hinweis darauf, dass es sich bei dem Präfix trotz seines Alters um ein dynamisches und aktuelles sprachliches Phänomen handelt. Ich halte es deshalb für einen sehr viel stärkeren Kandidaten, als es vielleicht zunächst den Anschein hatte.“ (A. Stefanowitsch)
  3. Fake–: „Ob es 2013 war, das primär für die Verbreitung im Bewusstsein einer breiten Sprachöffentlichkeit verantwortlich war — das würde ich so nicht unterschreiben. Es ist ja verbreitet, aber hat sich über Jahre schleichend ausgebreitet… [V]ermutlich dürften es alle Kandidaten außer Nomen, Verben und Adjektiven immer schwer haben, dieses Kriterium vollauf zu erfüllen. Ein Funktionselement braucht sozusagen Inkubationszeit. Geben wir sie ihm.“ (S. Flach)
  4. –gate: „Die gate–Bildungen werden immer kurzlebiger, weil sie oft unwichtige Ereignisse bezeichnen und so schnell wieder vergessen sind, wie sie aufkommen. Gerade durch die Ausweitung auf Ereignisse von kurzer Relevanz wird … der Einsatzbereich für -gate viel größer, es können also bedeutend mehr Bildungen entstehen als zuvor, die Produktivität des Suffixes steigt. Ich würde ihm daher dieses Jahr eine echte Chance einräumen.“ (K. Kopf)
  5. Hashtag: „Wurde es zunächst als reiner Verschlagwortungsmechanismus betrachtet, so bildeten sich darauf basierend bald Hashtags heraus, die einen Tweet kommentierten … oder in einen Zusammenhang einordneten… Diese pragmatischen Funktionen finden sich nun auch in der gesprochenen Sprache, wo sie dazu dienen, eine Erzählung zu bewerten oder zu rahmen… Hashtag als Anglizismus des Jahres 2013? #dafür.“ (K. Kopf)
  6. Paywall: „Was die Frequenzsteigerung angeht, hat Paywall dieses Jahr nichts zu bieten… Ich halte Paywall für ein sehr interessantes Wort – und zwar gerade wegen seiner Entsprechung Bezahlschranke. Die ist jedoch der zweite Grund, warum ich Paywall als Anglizismus des Jahres 2013 keine Chancen einräume. Wenn ich wild spekulieren darf: Ich vermute, dass die Hochzeit (langes o!) von Paywall schon vorbei ist.“ (K. Kopf)
  7. performen: „Kandidat performen [ist] vollständig etabliert, sogar in traditionellen Kontexten (und Medien). Es ist auch unproblematisch integriert ins deutsche System, verhält sich syntaktisch anders als seine angeblichen Synonyme und hat eine Lücke besetzt… Und trotzdem fehlt irgendwie das gewisse Etwas, dieses kribbelnde frequenzbasierte AdJ-Wahl-Aha-Erlebnis, das Alleinstellungsmerkmal 2013. “ (S. Flach)
  8. Selfie: „Für unsere Wahl hat [Selfie] das gewisse Etwas, die kulturelle Bedeutung, die Verbreitung im Sprachgebrauch, … die linguistische Verzückung bei self portrait > selfie, die Produktivität bei der Bildung von Ableitungen und Komposita, und natürlich die Benennung eines Konzepts, was schon alt ist, aber bisher keinen eigenen Begriff hatte. Aber — es fehlt ein wenig der Beitrag spezifisch fürs Deutsche…“ (S.Flach)
  9. Thigh Gap: „Ausnahmsweise würde ich dafür plädieren, das deutsche Oberschenkellücke zu verwenden, denn Thigh Gap klingt als englisches Lehnwort mehr nach glamourösem Modetrend als nach einer neutralen Beschreibung eines anatomischen Zwischenraums. Am Ende zählt [aber], wofür die Sprachgemeinschaft sich entscheidet. Ich würde Thigh Gap deshalb als Außenseiter im Rennen um den Anglizismus des Jahres einordnen, aber nicht als chancenlos.“ (A. Stefanowitsch)
  10. Veggie Day: „Dafür spricht, dass er durch die kontroverse Berichterstattung wirklich hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat [und] dass es einen allgemeinen Trend zu bewussterer Ernährung gibt…. Dagegen spricht, dass der Ausdruck als politisches Schlagwort wohl keine große Zukunft mehr hat, da er seit dem Grünen–Debakel als relativ tot gelten muss [und] dass “eher” deutsche Alternativen gerade deswegen evtl. bevorzugt gewählt werden“ (M. Mann)
  11. Whistleblower: „[Die] Diskussion um Whistleblower/innen wird sicher so schnell nicht verstummen…. Die Forderung nach mehr Transparenz von Seiten der Öffentlichkeit wächst, und … das Whistleblowing [wird] auch nach Snowden eine wichtige Rolle spielen. Insofern dürfte uns das Wort Whistleblower/in langfristig erhalten bleiben.“ (A. Stefanowitsch)

(Crosspost von Anglizismus des Jahres.)

January 19 2014

Blogspektrogramm 3/2014

In der Kürze liegt die Würze: während sich die Jury aus Sprachlog und Lexikographieblog zur Beratung über den Anglizismus zurückgezogen hat, bringen wir eine kleine Presseschau zum Unwort des Jahres, Vornamen und Leitideen in der Sprachwissenschaft:

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January 05 2014

Blogspektrogramm 1/2014

Herzlich willkommen in 2014! Über die Feiertage war es etwas ruhiger, aber wir haben trotzdem spannende Links ausgegraben, heute überwiegend aus der Welt der Lexikografie: Wortwahlen, Wortwahlen, Wortanzahl und — Gemüse:

  • Das Jahr hat gut begonnen bei der Wahl zum Anglizismus des Jahres 2013: Michael bespricht Smartwatch und Anatol Whistleblower.
  • Die American Dialect Society wählt Anfang Januar traditionell das amerikanische Wort des Jahres (WOTY). Dieses Mal, und das mag einige überraschen, ist es because. Wir finden: eine wirklich linguistische Wahl!
  • Mit den WOTYs der Vergangenheit beschäftigte sich Britt Peterson im BOSTON GLOBE bereits Anfang Dezember und fragt sich, was aus ihnen geworden ist: „Where are they now?“.
  • Auf JABAL AL-LUGHAT widmet sich Lameen Souag dem Mythos, dass Arabisch „25-mal mehr Wörter hat“, als Englisch (via @haspelmath).
  • Offenbar haben offizielle Stellen in Korea den Nachbarn in China und Taiwan angeraten, die Gemüsezutaten zu Kimchi, dem koreanischen Nationalgericht, dort anders zu nennen, weil die chinesischen und taiwanesischen Varianten sich deutlich von den koreanischen unterscheiden. Darüber berichtet Victor Mair im LANGUAGE LOG.1
  1. Interessante Vorstellung: Lassen Sie uns dem Rest der Welt vorschreiben, wie sie Wurst — oder was sie dafür halten — zu nennen haben. Alternativ behalten Sie das im Hinterkopf, fürs nächste Mal, wenn es um Soße und Zensur gehen soll.
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December 29 2013

Blogspektrogramm 52/2013

Zum Jahresende gibt es im Blogspektrogramm Werbesprache aus dem 19. Jahrhundert, rassistische Sprache aus dem 18. Jahrhundert und sprachwissenschaftliche Forschungsmethoden aus dem 20. Jahrhundert.
  • Die Weihnachtseinkäufe sind zwar vorbei, aber die entsprechende Werbzeitschrift aus dem 19. Jahrhundert, die Alexander Lasch im SPRACHPUNKT ausgegraben hat, ist dennoch absolut lesenswert: »Zu Dekorationszwecken für Salons, Vestibuls u. dgl. dürften sich die lebenden haltbar präparierten Palmen besonders eignen, da sie durch ihre praktischen Eigenschaften (abwaschbar, dauerhaft) allgemeine Beachtung verdienen.«
  • Im TAGESSPIEGEL gibt es einen eher oberflächlichen, aber dennoch interessanten Bericht über rassistische Sprache am Beispiel der Berliner Mohrenstraße.
  • In einem DEUTSCHLANDFUNK-Interview gibt Jost Gippert auf sehr verständliche Weise Auskunft über die digitale Erfassung von Texten für sprachwissenschaftliche Untersuchungen. Die Interviewerin ist stellenweise nur schwer zu ertragen1 , aber glücklicherweise spricht Gippert bedeutend mehr als sie.
  • Zum Schluss seien noch zwei jahreszeitbedingte Links ins Sprachlog-Archiv gesetzt: Wer sich dafür interessiert, woher das Prosit in Prosit Neujahr! kommt, kann sich diesen (schon etwas angestaubten) Artikel anschauen. Gedanken zur Etymologie von Guten Rutsch! gibt es hier.2
  1. Ich untertreibe!!
  2. Note to self: Letztere mal belastbar rausfinden.
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December 22 2013

Blogspektrogramm 51/2013

So, kurz vor Weihnachten machen wir das informativ und schmerzlos, ganz ohne Weihnachtsduselei und mit Personalpronomen, Akzenten, Politischem und einem selfie:

  • Auf THE LAST WORD ON NOTHING beschreibt Michelle Nijhuis, wie sie auf Wunsch ihrer Tochter beim Vorlesen vom „kleinen Hobbit“ aus Bilbo Baggins ein Mädchen gemacht hat. Dazu passend: Anatol hat vor einigen Jahren schon über seine vorleserischen Redaktionsentscheidungen geschrieben.
  • Und wer dann immer noch glaubt, geschlechtergerechte Sprache (hier: Personalpronomen) sein ein Problem des Deutschen, der wende sich dieser Diskussion zu: im Vereinigten Königreich verhandelte man he vs. they letztens im Oberhaus, Geoffrey Pullum antwortet in LINGUA FRANCA.
  • In den Niederlanden wurde selfie zum Wort des Jahres gewählt. Damit erklären wir es zum heißesten Anwärter zum „Weltwort des Jahres 2013“.
  • Zur Rede des Jahres wählte das Seminar für Rhetorik der Universität Tübingen Gregor Gysis Bundestagsrede zum NSA-Skandal vom 18. November. Die überzeugte die Jury nicht nur inhaltlich, sondern auch in Struktur und Vortragsweise. Endlich einmal eine „X-des-Jahres“-Wahl, der wir uns ganz unironisch anschließen können.
  • Wo wir gerade vom X-des-Jahres reden: Auch die Anglizismus-des-Jahres-Jury war wieder fleißig und hat die nächsten vier Wortkandidaten besprochen: Land Grabbing, Gamification, performen und instagrammen.
  • Eigentlich eher aus dem Bereich Sprachbrocken Absurdistan kommt die Meldung, dass das Verwaltungsgericht Neustadt (vermutlich meint man Neustadt an der Weinstraße) eine Klage abgewiesen hat, die sich gegen die Verwendung der Bezeichnung „Jobcenter“ richtete. Da hat — ohne Witz — jemand geklagt, weil die Amtssprache ja „deutsch“ sei und Jobcenter nicht dazu gehöre. Also entweder haben wir gerade genug zu tun oder wir finden das besonders absurd, aber erinnert sich noch wer hieran, Punkt 3?
  • Ist es jetzt eine große Große Koalition oder eine kleine große Koalition? Mit dieser Frage beschäftigt sich knapp Dr. Bopp.

December 15 2013

Blogspektrogramm 50/2013

Die Themen der Woche: Diverse Anglizismen, Fakegebärdensprachdolmetscher, geschlechterstereotypengelenkte Schreibstile und komische Beispielsätze. Einen schönen Sonntag allerseits!

  • Auf SBS (Englisch) erklärt Adam Schembri, woran man mit etwas Fachwissen erkennen konnte, dass der Fake-Gebärdensprachdolmetscher bei Mandelas Trauerfeier fake war (wir berichteten). Und dieses Gif zum Thema (via @markusdahlem) sollte man niemandem vorenthalten.
  • Luise Pusch befasst sich auf LAUT UND LUISE mit der merkwürdigen Grammatik des Wortes Prostituierte sowie mit der Tatsache, dass es für dieses Wort Dutzende von Synonyme gibt, nicht aber für sein Gegenstück Freier.
  • Für LINGUISTICS RESEARCH DIGEST (Englisch) fasst Jenny Amos eine Studie zusammen, die zeigt, dass sprachliche Geschlechterstereotypen deutlich auf den Stil geschriebener Texte einwirken.
  • Diese Sammlung von Sprachbeispielen aus Linguistik– und Sprachlehrtexten (LINGUISTICS SAMPLE SENTENCES) wirft ein seltsames, aber wenig überraschendes Licht auf die Disziplin (z.B. hier, hier, hier, hier).
  • Und zum Schluss, und nur für den Fall, dass jemand unter einem Stein lebt: Die heiße Phase der Anglizismuswahl 2013 ist angelaufen. Seit dieser Woche diskutiert die Jury die Kandidaten. Los ging's am Montag im LEXIKOGRAPHIEBLOG, wo sich Michael Mann den Veggie Day anschaute: »Die englische Entsprechung der deutschen Wikipedia–Seite lautet meat-free day, hierzu finden sich auch mehr einschlägige Belege; seltener zu finden ist auch vege day (vegetarian day). Der Ausdruck veggie day scheint also im Englischen nicht die erste Wahl zu sein; er kann aber verwendet werden und ist nicht als “Pseudoanglizismus” zu werten.«
  • Hier im SPRACHLOG folgten Susanne Flach mit ranten (»Die Faszination für das shitstormesque an ranten macht aus, dass […] damit auch (oder überwiegend?) intensive und detaillierte Auseinandersetzungen mit einem Problemthema bezeichnet werden — mit dem Schuss Frust im Vordergrund«), ich mit Paywall (»Ich halte Paywall für ein sehr interessantes Wort – und zwar gerade wegen seiner Entsprechung Bezahlschranke«) und Anatol Stefanowitsch mit Thigh Gap (»Bleibt die Frage, ob das Wort eine Bereicherung für den deutschen Wortschatz darstellt. Wenn man Bereicherung als „Verschönerung“ versteht, dann sicher nicht. Das Wort dient nur einem Zweck: Weibliche Körper zu pathologisieren«).
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December 08 2013

Blogspektrogramm 49/2013

In der Ruhe vor dem Anglizismus-Sturm, zu dem wir ab der kommenden Woche überleiten werden, hier noch ein paar spannende, ausgewählte Links zu phonologischem Wandel, Zahlwortsystemen und dem unheilvollen (?) Einfluss des Internets auf Sprachenvielfalt.

  • Unter „Dude, where’s my accent“ liefert der PORTLAND MONTHLY ein Meisterstück eines fundierten, aber verständlichen Einblicks in Lautwandel – heute und damals.
  • Wer sich für Zahlsysteme interessiert und sich von einer vielleicht etwas komplexeren Darstellung herausgefordert fühlt: in GEOCURRENTS geht’s um weltweite Unterschiede in Zahlsystemen.
  • Killt das Internet Sprache(n)? Eine Studie in PLOS ONE beschäftigt sich mit der Frage, wie viele der über 7.000 Sprachen der Welt auch online präsent sind. Ergebnis: nur 5% der Sprachen weltweit sind „online“. Darüber berichtet die WASHINGTON POST (Originalstudie hier). Abgesehen von einer unglücklichen Verwirrung von Ursache und Wirkung scheint das Problem, noch bevor ich die Studie gelesen habe: die Sprachenvielfalt der Welt setzt sich in überwältigender Mehrheit aus Sprachen zusammen, die kaum eine oder meist gar keine Verschriftung haben und/oder nur in sehr kleinen Sprachgemeinschaften gesprochen werden — und somit überhaupt nicht online vertreten sein können.
  • Im SPRACHSTAND machen sich Juliana Goschler und Anatol Stefanowitsch noch mal Gedanken zum Jugendwort des Jahres, babo – und welche Reise das Wort (wirklich) genommen haben könnte.
  • Ressource der Woche: Unser AdJ-Jurykollege Michael Mann vom LEXIKOGRAPHIEBLOG trägt in einer neuen Rubrik Sprachatlanten und Namenskarten zusammen.
  • Auf DER FREITAG gibt’s ein annotiertes Anglizismus-ABC.
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December 04 2013

Die Shortlist zum Anglizismus des Jahres 2013

Fast hundert Wörter haben Publikum und Jury in diesem Jahr für den Anglizismus des Jahres nominiert – mehr als je zuvor. In den letzten Tagen hat die Jury diese Nominierungen auf ihre Tauglichkeit für den Wettbewerb abgeklopft und eine Shortlist von 16 Wortkandidaten erstellt. Dabei wurden zwölf Wörter streng nach unseren Kriterien ausgewählt; zusätzlich durfte jedes Jurymitglied ein Herzenswort nach Belieben auf die Shortlist setzen, um auch Außernseiterwörtern eine Chance zu geben, sich zu beweisen.

Die sechzehn Wörter werden in den nächsten Wochen hier und in den Blogs der Jurymitglieder ausführlicher besprochen werden, bevor es dann Mitte Januar an die Abstimmung geht. Das Siegerwort wird am 28. Januar 2014 offiziell bekanntgegeben (wir hätten es früher gemacht, aber wir wollten den Kolleg/innen vom „Unwort des Jahres“ nicht dazwischenfunken).

Nun zu den Wörtern.

Besonders interessant: In diesem Jahr haben es gleich drei Affixe auf die Liste geschafft – sprachliche Elemente, die an einen Wortstamm angehängt werden können, um ein neues Wort zu bilden. Ein Wiedergänger ist dabei das Suffix –gate (das 2013 z.B. in Wörtern wie Eierlikörgate, Nipplegate, Dirndl-Gate, Krümelgate, Fähnchen-Gate und Stadtwerke-Gate vorkam. Erstmals nominiert sind die Präfixe Fake– (z.B. in Wörtern wie Fakeschreiber, Fake-Seite, Fake-Account, Fake-Profil, Fake-Foto, Fake-Shop, Fake-Anruf und Fake-Medizin) und Cyber– (z.B. in Cyber-Sicherheit, Cyberattacke, Cyberangriff, Cybermobbing, Cybercrime, Cyberkriminalität, Cyberspionage, Cyber-Experten, Cyberterrorismus, Cyber-Raum, Cyber-Vorfall und Cyber-Betrüger). Interessant an allen drei Affixen ist, dass sie nicht nur mit englischen, sondern auch mit genuin deutschen Wortstämmen kombiniert werden, also im Deutschen produktiv und kreativ eingesetzt werden, um den Wortschatz zu erweitern.

Daneben dominieren wieder Wörter aus dem Bereich Technologie und Netzkultur. In die erste Kategorie fallen Big Data, Gamification, Paywall und (als einziger Hardware-bezogener Wortkandidat) Smartwatch. Die zweite Kategorie ist durch die Substantive Hashtag und Selfie (das Oxford Dictionaries Word of the Year) und die Verben ranten und instagrammen vertreten. Auch der Whistleblower, der schon 2010 unter den Top 3 war und 2013 durch Edward Snowdens Enthüllungen wieder aktuell wurde, gehört in gewisser Weise in diese Kategorie.

Schließlich gibt es noch verschiedene Wortkandidaten aus anderen Bereichen – die Substantive Landgrabbing, Veggie Day und Thigh Gap und das Verb performen, das zwar bereits im Duden steht, aber trotzdem einen Häufigkeitszuwachs verzeichnen konnte, der vielleicht für die Endrunde reicht.

Hier noch einmal die gesamte Liste der Wörter in (die dazugehörigen Kurzprofile werden wir nach und nach ergänzen):

  • Big Data
  • Cyber–
  • Fake–
  • Gamification
  • –gate
  • Hashtag
  • instagrammen
  • Landgrabbing
  • Paywall
  • performen
  • ranten
  • Selfie
  • Smartwatch
  • Thigh Gap
  • Veggie Day
  • Whistleblower

(Dieser Text ist ein Crosspost von anglizismusdesjahres.de

December 01 2013

Blogspektrogramm 48/2013

Manchmal dauert das Handverlesen von Links etwas länger … aber vielleicht erscheint das Spektrogramm ja doch beizeiten? Viel Spaß beim Lesen, Hören und Schauen!

  • Zum Einstieg eine Menge Sprachlogbezug: Das #seniorenwort macht seine Runde durch die Medienlandschaft: In einem Interview mit dem BR redet Anatol Stefanowitsch über die Motivation und den Erfolg fürs und vom Seniorenwort (und ein bißchen über den AdJ), außerdem berichten Focus, NOZ, Meedia, Mittelbayerische, Spiegel und Hamburger Abendblatt (letzteres nur, äh, mit minimaler Recherchearbeit belastet).
  • Auf PFRIEMELPFUHL analysiert Stefan Hartmann das Wort beizeiten: Bedeutet es 'rechtzeitig' oder 'bei Gelegenheit' oder noch etwas ganz anderes? Ein Blick in deutsche Zeitungen und die Wikipedia-Diskussionen gibt Aufschluss.
  • DR. BOPP beantwortet eine Frage, die in den Kommentaren eines Sprachlog-Beitrags aufgetaucht ist – kann man von der Ausspähung Angela Merkels Mobiltelefons sprechen?
  • Alexander Lasch vom SPRACHPUNKT macht sich Gedanken darüber, ob und für wen der Koalitionsvertrag verständlich sein sollte. (Dessen Inhalte hat der Postillon ja auch schon ausreichend zusammengefasst.)
  • Alexander Lasch hat außerdem gemeinsam mit seinen Kieler Kolleginnen Anja Bowitzky und Patrick Beuge das Projekt »Linguistik in 60 Sekunden« gestartet, einminütige Videos zu grundlegenden germanistischen Themen. (Für völlige Laien sind sie allerdings ungeeignet.)
  • Für NEW REPUBLIC schreibt Ben Crair über den emotionalen Wert, den ein Punkt in SMS annehmen kann: The Period is Pissed.
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November 24 2013

Blogspektrogramm 47/2013

Uff, da war aber viel los diese Woche! Während der Bericht zur Lage der deutschen Sprache uns diese Woche im Sprachlog auf Trab gehalten hat, wurde andernorts natürlich nicht inne gehalten: Wörterwahl in England, ein 50jähriges Jubiläum, (Not) Lost in Translation und viel Medienrummel um die Anglizismenwahl!

  • Mit großem Medieninteresse wurde der Anglizismus des Jahres the Word of the Year (WOTY) in England bereits gekürt: selfie. Die Oxford Dictionaries berichten in ihrem Blog davon, der Linguist Ben Zimmer kommentiert (und mahnt zur Vorsicht bei der Unterscheidung zwischen Erstbeleg und Wortursprung). Aber nur unser Anatol hat sich angemessen inspirieren lassen.
  • Bei den Oxford Dictionaries hat man ein paar Wissenschaftler/innen gebeten, sich zu selfie zu äußern, auch den geschätzten David Crystal: „ein exzellentes Wort des Jahres“.
  • Dem schließen wir uns an, obwohl wir ein bisschen hrmpfen, weil selfie auch beim AdJ nominiert ist: Juryvorsitz Anatol äußert sich bei detektor.fm zu selfie und anderen Anglizismen.
  • Das RBB Info Radio macht sich auch ein paar Gedanken zur AdJ-Wahl.
  • Diese Woche feierte ein Großereignis rundes Jubiläum, dem kaum einer entkommen konnte: Vor 50 Jahren hob die BBC „Dr. Who“ aus der Taufe — Ben Zimmer von VISUAL THESAURUS widmet sich der Geschichte hinter „Dalek“.
  • Bei WORTBETRIEB schreibt Barbara Mürdter über uns.
  • Der Germanist Karl-Heinz Göttert hat diese Woche zwei Interviews gegeben (SPIEGEL und TELEPOLIS), deren Inhalt für regelmäßige Sprachlogleser/innen nicht viel Neues bietet, aber im Sinne der Dokumentation von Linguist/innen in der Öffentlichkeit — eben.1
  • Stimme aus der Steinzeit: Martin Worthington von der Universität in Cambridge kiest Lyrik des Akkadischen.
  • Im LanguageLog ein Beleg für schief gelaufene Übersetzung von fag.
  1. Wobei ich persönlich die Metapher der „Modernisierung“ zu emotional gewählt finde, weil sie impliziert, da müsste was modernisiert werden. Der „Nachholbedarf“ wurde auch bei einigen Kommentatoren mit dem falschen Hals aufgenommen. Sei’s drum.
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November 17 2013

Blogspektrogramm 46/2013

Wie das Jahr vergeht: Willkommen zum Blogspektrogramm Nr. 46, featuring Albrecht Dürer, vielleicht den Anglizismus des Jahres, eine Kuh namens Gießkanne, ein Wörterbuch und einen Comic. Viel Spaß beim Lesen!

  • Im LEXIKOGRAPHIEBLOG schreibt Michael Mann über einen vermeintlichen »trvmmer hawffe̅« und zeigt dabei, dass Graphie auch ohne Ortho– geht.
  • Auch die Jury nominiert diesmal Kandidaten für den ANGLIZISMUS DES JAHRES 2013 – von Big Data bis E-Ink. Bessere Vorschläge? Her damit!
  • Kürzlich haben wir ja an dieser Stelle schon einmal auf Berichterstattung über die Mainzer Tiernamentagung verwiesen – beim HR gibt es nun ein kurzes Video über Kuhnamen mit einem der Referenten.
  • Lorien Kite schreibt in der FINANCIAL TIMES sehr ausführlich und stellenweise erstaunlich poetisch über das Oxford English Dictionary: »Once there, the rule is that [the words] never come out, with obsolescence marked, instead, by dagger symbols sprinkled like memento mori through its pages.«
  • Bei XKCD wurde diese Woche die Infigierung im Englischen und eine ihrer Beschränkungen illustriert.
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November 11 2013

Halbzeit bei den Nominierungen zum Anglizismus 2013

Bei unserem Voting zum Anglzismus des Jahres 2013 haben wir einen Milestone erreicht: Halbzeit bei der Nominierungsphase. Zeit, also, für eine Executive Summary auch hier im Sprachlog. Bis gestern konnten wir auf unserer Nominierungsseite 41 Vorschläge unserer Target Group posten, und heute kamen noch einmal elf Wortkandidaten dazu, die die Jury in einer ersten eigenen Recherche identifiziert hat. Damit stehen wir in unserer Competition aktuell bei 52 Wörtern, die um den Sieg in unserer Winner-takes-all-Wörterwahl kämpfen müssen.

Von Big Data über Fingerprint und No-Spy-Abkommen bis zum schon 2010 nominierten Whistleblower sind aussichtsreiche Wörter aus den Bereichen Informationstechnologie und –kultur, Politik und Gesellschaft dabei – der Bereich Finanzen, der in den letzten Jahren immer gut vertreten war, fehlt bislang weitgehend, vielleicht, weil niemand mehr über die Dauerfinanzkrise nachdenken möchte, vielleicht aber auch, weil sie keine interessanten neuen Wörter mehr hervorgebracht hat.

Dafür ist die Netzkultur im weitesten Sinne stark vertreten, mit Wörtern wie derailen, Filterbubble, like-geil, Unboxing, Selfie, Sexting und sharing. Aktuelle politische Entwicklungen sind neben No-Spy-Abkommen auch in Cyber-Außenpolitik und Merkelgate reflektiert, und technologische Entwicklungen bescheren uns bisher u.a. den ewigen Runner-Up Cloud, die Smartwatch und die Touch-ID.

Alle Wörter finden Sie auf der Nominierungsseite, auf der sie auch in den nächsten zwei Wochen noch weiter nominieren können. Denn obwohl schon ein paar gute Kandidaten dabei sind, werden viele der bisher nominierten Wörter unsere harten Kriterien für das Weiterkommen in die zweite Runde nicht überstehen.

Natürlich können Sie dem Anglizismus des Jahres auch auf Facebook und Twitter direkt folgen.

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November 10 2013

Blogspektrogramm 45/2013

Der Post zum Sonntag kommt heute mit geballter Informations– und Unterhaltungsdichte auf dem Gebiet der Namen-, Pergament– und Demenzforschung daher, garniert mit hübschen Videos, bunten Karten und tollen Zeichnungen. Voilà & viel Spaß:

  • THE ATLANTIC kartografiert chinesische Nachnamen; GEOCURRENTS hier für europäische Nachnamen ist das hier faszinierend — Vorkommen von Nachnamen reflektieren immer noch jahrhunderte alte Siedlungstraditionen (Englisch).
  • An der Universität Wien untersucht man mittelalterliches Pergament, welches damals wegen Ressourcenknappheit mehrfach überschrieben wurde — und heute faszinierende Erkenntnisse hervorbringt. Das berichtet die Wissenschaftsabteilung des ORF.
  • Bilingualismus kann den Ausbruch von Demenz verzögern — zu diesem Ergebnis kommt diese Studie, die in der Zeitschrift NEUROLOGY veröffentlich wurde. Das sind aus Sicht der Bilingualismusforschung keine überraschend neuen Erkenntnisse, allerdings hat man die These zum ersten Mal in einer Gesellschaft untersucht, in der Bilingualismus nicht mit Migration korreliert (und deshalb durch den Faktor „Lebensgeschichte“ beeinflusst sein könnte), sondern in Indien, wo Mehrsprachigkeit der Normalfall ist, kommentiert Mark Liberman im LANGUAGE LOG (Englisch).
  • Ist Hä? ein Wort? Und ist es universal? Diese Frage stellen sich drei Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen. Auf einer eigenen Seite fassen sie die Ergebnisse verständlich zusammen (mit Video!), die Originalstudie ist hier (Englisch, via LanguageLog).
  • Hier ist eine interessante Datenbank online gegangen: im Atlas of Pidgin and Creole Language Structures (APiCS) kann man sich ein Bild von Merkmalen von Pidgin– und Kreolsprachen machen. Damit folgt APiCS der Tradition des World Atlas of Language Structures (WALS) oder dem Electronic World Atlas of Varieties of English (eWAVE).
  • Videotipp der Woche: in einer neuen Reihe „Chalking Points“ werden sprachliche Phänomene mit Kreide illustriert. Heute empfehlen wir den Clip zur Entwicklung des Possessive-S-Apostrophs im Englischen (Englisch).
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November 08 2013

Wortwahlplaner, Teil 2

Da wir Expertinnen für Wörterwahlen sind und einen ausgeprägten Servicegedanken in die Tat umsetzen wollen, erweitern wir unseren traditionellen Wortwahlplaner um den Blick über die Grenze. Aufgrund der kulturellen Notwendigkeit („zu starker Deutschlandbezug der Urwahl“) und des durchschlagenden Erfolgs emanzipieren sich unsere Nachbarländer seit 1999 (Österreich), 2002 (Liechtenstein) und 2003 (Schweiz) auch lexikografisch mit eigenen Wörterwahlen.1

In Österreich macht man mit Wörterwahlen eher kurzen Prozess: dort gibt die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch an der Universität Graz „Wort des Jahres“, „Unwort des Jahres“ und „Jugendwort des Jahres“ Anfang Dezember in einem Abwasch bekannt. Seit 2002 ergänzt die Jury ihre Arbeit um die Auswahl eines „Spruch des Jahres“ und seit 2006 um einen „Unspruch des Jahres“. Das sind dann so Phrasen, die für Traditionalisten besser bekannt sind als „Geflügelte Worte“ (für Netzaffine: fast so was wie Meme). 2012 waren die Gewinner: Rettungsgasse, Unschuldsvermuteter, Ich trete nicht zurück, ich mache den Weg frei., Das ist mir nicht erinnerlich!, und leider geil (aufgeführt in der Reihenfolge der Jurykategorisierung, falls Sie sich das vielleicht fragen).

Kriterien: ja (Aktualität, besondere Bedeutung, häufige Verwendung und „besondere sprachliche Qualität“); Einhaltung: hmjanaja, mal so mal so, aber immerhin nicht fehlen darf die Einstufung als „genuin österreichisch“. Bonus: das Publikum darf auch mit nominieren und abstimmen. Sehr übersichtlich dargeboten bekommt man das auf einer hübschen Internetseite. Dringende Warnung: fürs Jugendwort dürfen Sie nur abstimmen, wenn Sie unter 25 Jahre alt sind.

Die lexikografische Emanzipation der Schweiz vollzog sich 2003 — ob’s daran liegt, dass 2002 sowohl in Deutschland, als auch im bereits unabhängigen Österreich Teuro zum „Wort des Jahres“ ernannt wurde? Naja. Immerhin startete man dort mit Konkordanz in die Wortkür — wobei wir unsere korpuslinguistische Freude ob des sprachlich-kulturell eher helvetischen Grundtenors der Folgejahre völlig verfrüht gezeigt haben: Aldisierung, Rauchverbot, Sterbetourismus, Minarettverbot und Ausschaffung. (Das war eine Auswahl der Siegerworte zum „Wort des Jahres“, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen.) Aberaberaber: die Schweiz wählte 2012 Shitstorm zum Wort des Jahres. Jaja, richtig. Man folgte den 2011er Empfehlungen der Jury der besten Wörterwahl der Welt.

Die Schweiz kürt regelmäßig auch einen „Satz des Jahres“. Und wenn es die Sprachgemeinschaft einfordert, gibt es Sonderpreise für „Mundartwort des Jahres“, „Abkürzung des Jahres“ oder „Neues Wort des Jahres“. Seit 2009 gibt es auch ein Jugendwort — der inaugurale Gewinner, sbeschtewosjehetsgitz, sollte jedes Linguistinnenherz höher schlagen lassen. Denn wenn es kein dankbares Kommerzmem ist, sondern echten Sprachgebrauch widerspiegelt, dann sind die fett markierten Stellen morphologisch nicht unspannend.

Während in Österreich aktive Sprachwissenschaftler/innen in der Jury sitzen, lädt man in der Schweiz etwas breiter ein, der Vorsitz liegt beim Radiosender DRS3Die Kriterien in der Schweiz sind verdächtigerweise nahezu identisch mit denen in Österreich. Und auch bei der Verkündung dappen sich Österreich und Schweiz gegenseitig auf den Füßen rum — 2012 gaben sie alle (Un)Wörterphrasensätzesprüche am gleichen Tag bekannt (etwas unglücklich für die Gültigkeit unserer Prognose ist der Schweizer Terminplan 2013).

Besonderen Humor beweisen die Liechtensteiner/innen mit Gewinnern wie Dualismus, Souveränität (dual gekürt 2003 und 2006), Mobilfunksteinzeit oder Steueraffäre (in Liechtenstein!). Unwortwürdig findet man im Fürstentum Dinge wie Theologischer Sondermüll und Auberginenfürze. Mit der Wahl zur „Pressemitteilung des Jahres“ (2012: „Wäscheständer beschädigt“) hat man sich dann aber endgültig einen Thron im Phrasenwahlolymp gesichert. Das macht fast die Tatsache vergessen, dass die Webseite veraltet ist, wir nicht wissen, wer sich hinter der Wortwahlguerilla verbirgt und nicht genau sagen können, wann mit Produkten aus der Humorindustrie 2013 zu rechnen ist (vermutlich aber zwischen den Jahren).

Lesen Sie in Teil 3: Andere Sprachgemeinschaften, andere Sitten! Bis dahin schauen Sie mal, was der Anglizismus des Jahres für kulturinternationale Kreise zieht.

  1. Was möglicherweise von einigen etwas despektierlich interpretiert werden könnte, hat aber einen ganz bezaubernden Nebeneffekt: die Würdigung der Idee einer Sprachgemeinschaft, und das unabhängig davon, ob Schweizer, Österreichisches oder Liechtensteiner Standarddeutsch jeweils eigene Ausbausprachen sind oder Varietäten einer Sprache.
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Schweinderl