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January 09 2014

Nivea und die Biologie [ErklärFix]

…eine Geschichte voller Missverständnissen. Vor langer Zeit habe ich mich einmal über eine TV-Werbung von Nivea aufgeregt. Eine Creme für Frauen über 40, eine neue von geschätzten 2346821 auf dem Markt. (@pulegon konnte sich noch daran erinnern!) Damals waren die kreativen Köpfe der Nivea-Werbe-Abteilung der Meinung, man könne auf den hippen DNA-Trend aufspringen. Dabei haben sie im Rahmen der unvermeidbaren Vereinfachung aber mal eben die Zellen der Frau ab 40 zu Bakterien deklariert. Guckt Ihr hier. Das war 2009, geändert hat sich an der Qualifikation der Markting-Abteilung scheinbar wenig.
In der aktuellen Werbung einer wieder neuen Hautcreme für Frauen älteren Alters geht man wieder “wissenschaftlich” vor und illustriert, wie toll die Creme für die Zellen ist, wieder stark vereinfacht, ist ja klar.

Das Bild ganz oben kommt dann dabei raus.

Dieses Mal sind die Hautzellen nicht mehr (durch den beginnenden Prozeß der Verwesung?) durch Bakterien ersetzt worden, wie damals. Nein, dieses Mal sind es schon pflanzliche Zellen! Evolutionär macht die Frau, oder ihre Haut, also bei Nivea schon einen großen Schritt!

Aber tierische Zellen haben nicht solche dicken gar keine Zellwände! Das da oben ist die schematische, klassische Darstellung einer pflanzlichen Zelle!

Wer unbedingt möchte, kann sich das ganze noch mal hier auf Youtube angucken.

In der Werbung ist Zeit Geld, jede Sekunde TV-Werbung kostet viel Geld. Entsprechend kann so ein Spot natürlich nicht immer vollkommen wissenschaftlich korrekt sein, man muss es vereinfachen und nur Kernelemente in den Fokus rücken. Vollkommen klar.

Aber dennoch rege ich mich darüber auf. Muss man derart falsches Wissen verbreiten?
Würde, rein hypothetisch, eine Firma Jürgen Klopp mit einem Schalke Logo auf dem Hemd in einer Werbung zeigen, würden (derzeit) viele motzen und diese Firma mit einem Shitstorm ihre Meinung sagen.
Aber wenn Nivea Bakterien- oder Pflanzenzellen nimmt, um Haut zu illustrieren? Juckt nicht, stört nicht. Alles das gleiche, was soll die Haarspalterei?
Ich bin gespannt, ob und was man bei Nivea dazu sagt…

December 02 2013

Dahin, wo das Piperonal wächst. Fragen an Ritter Sport. [WeiterGen]

Wie die Faz vergangene Woche berichtete, hat Ritter Sport inzwischen eine einstweilige Verfügung gegen die Stiftung Warentest erwirkt. Die Verbraucherschutzorganisation hatte in einem Test von Nussschokolade unter anderem die Sorte Voll-Nuss von Ritter Sport aufgrund von einer als irreführend eingestuften Kennzeichnung der Inhaltsstoffe mit Mangelhaft benotet.

Konkret geht es um den Aromastoff Piperonal, der laut Auszeichnung auf der Schokoladepackung ein “natürliches Aroma” sei, laut Stiftung Warentest jedoch chemischen Herstellungsverfahren entspringen soll.

Bestätigten Angaben zur Folge bezieht die Firma Ritter Sport den Aromastoff vom Unternehmen SymRise, welches an Eides statt erklärt hat, dass das an Ritter Sport gelieferte Piperonal ein natürliches Produkt sei, welches der europäischen Regulierung zu Aromastoffen folgend, aus Pflanzen isoliert wird.

Die eidesstattliche Versicherung von SymRise bezieht sich auf ein Vanillearoma, dem Piperonal zugegeben wird. Zitiert wird Artikel 3 Absatz 2c der EU-Verordnung zu Aromastoffen (.pdf):

natural flavouring substance’ shall mean a flavouring substance obtained by appropriate physical, enzymatic or microbiological processes from material of vegetable, animal or microbiological origin either in the raw state or after processing for human consumption by one or more of the traditional food preparation processes listed in Annex II. Natural flavouring substances correspond to substances that are naturally present and have been identified in nature

Annex lI listet traditionelle Arten der Lebensmittelzubereitung, mit denen es zumindest schwierig erscheint ausreichende Mengen “natürliches” Piperonal zu isolieren. Denn laut term+@DOCNO+581">Toxnet kommt Piperonal nur in Spuren in einigen Planzen natürlich vor, unter anderem in Robinien und laut Firmenblog von Rittersport:

in Tahiti-Vanille, Kräutern und Gewürzen sowie einer ganzen Reihe anderer Pflanzen, z.B. in Pfeffer und Dill.

Alternativ kann Piperonal, das wohl häufig in der Duftstoff- und Parfümindustrie term+@DOCNO+581">eingesetzt wird, aber auch relativ einfach aus Safrol, einem Naturstoff,  hergestellt werden. Dabei wird Safrol zu Isosafrol isomerisiert und dann sauer zu Piperonal oxidiert. Das ist allerdings auf chemischem Wege, was Artikel 3 der EU-Verordnung zuwider laufen würde.

Die Stiftung Warentest jedenfalls teilt mit, sie würde derzeit keine über die bereits bekannten Fakten hinausgehenden Details zu den Untersuchungsgrundlagen und Bewertungsfragen nennen. Meiner Meinung nach ist derzeit auch immer noch Ritter Sport, beziehungsweise Symrise am Zug.

Ich wäre zum Beispiel mit ein paar Zahlen zu überzeugen. Konkret, und vielleicht liest ja die eifrige PR-Abteilung von Ritter Sport hier mit:

  • Wie viel reines Piperonal wird einer Tonne Nussschokolade zugegeben?
  • Wie hoch ist die Konzentration von Piperonal in der Ausgangspflanze?
  • Und welche Extraktionsmethode wird zur Isolierung und Aufreinigung des ja nur in Spuren vorkommenden Piperonals aus der Ausgangspflanze angewendet?

Was ist eigentlich aus dem Begriff “naturidentischer Aromastoff” geworden?

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Schweinderl